Hygiene & Bakterien
Kontaktlinsen vs. Brille: Warum das Infektionsrisiko so unterschiedlich ist
Eine verschmutzte Brille ist ein Hygienethema (siehe Furtwangen-Studien), aber kein direkter Infektionsvektor fürs Auge, da sie außen auf Haut und Nase aufliegt. Kontaktlinsen dagegen sind laut Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft (DOG) ein 'Fremdkörper im Auge' mit deutlich höherem, gut dokumentiertem Infektionsrisiko bei mangelnder Hygiene.
Wichtige Einordnung vorab
In der wissenschaftlichen und augenärztlichen Literatur, die wir für diesen Artikel gesichtet haben, bezieht sich die dokumentierte Verbindung zwischen Hygiene und Augeninfektionen praktisch ausschließlich auf Kontaktlinsen – nicht auf Brillen. Wir stellen das hier bewusst richtig, statt die beiden Themen unbelegt gleichzusetzen.
Warum Kontaktlinsen ein anderes Risiko darstellen
Laut Prof. Dr. Gerd Geerling (Direktor der Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Düsseldorf) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) ist eine Kontaktlinse immer ein 'Fremdkörper im Auge', der die Sauerstoffversorgung und Befeuchtung der Augenoberfläche verändert. Erreger, die mit der Linse aufs Auge gelangen, werden – anders als bei freiem Auge – nicht durch den Lidschlag weggewischt, sondern unter der Linse eingeschlossen.
Mindestens 3,4 Millionen Menschen in Deutschland tragen Kontaktlinsen (DOG). Bei mangelnder Hygiene drohen laut DOG teils schwere Hornhautinfektionen durch Bakterien, Pilze oder – in rund 5 % der Fälle – Akanthamöben (Parasiten), die im schlimmsten Fall das Sehvermögen gefährden können.
Was Augenärzt:innen für Kontaktlinsenträger:innen konkret empfehlen
- Hände waschen, bevor die Linsen angefasst werden.
- Nie Leitungswasser verwenden – weder zum Abspülen noch im Behälter, da darin Akanthamöben enthalten sein können.
- Kontaktlinsenbehälter regelmäßig desinfizieren und alle drei bis sechs Monate komplett austauschen.
- Bei Rötung, Schmerzen, Sehminderung oder Ausfluss sofort eine Augenarztpraxis aufsuchen.
Und die Brille?
Eine Brille liegt außen auf Nase und Ohren, nicht auf der empfindlichen Augenoberfläche selbst. Die dokumentierte bakterielle Besiedlung von Brillen (siehe Wie viele Bakterien leben auf einer Brille?) ist damit in erster Linie ein allgemeines Hautkontakt- und Hygienethema, kein direkt mit Augeninfektionen belegter Risikofaktor wie bei Kontaktlinsen. Wer zwischen beidem wechselt, profitiert trotzdem von einer sauberen Brille – schon damit sich keine Keime beim Berühren von Brille und Linse gegenseitig übertragen.
Häufige Fragen
Kann ich meinen Kontaktlinsenbehälter im Ultraschallreiniger reinigen?+
Ein leerer, ausgespülter Kunststoffbehälter kann von einer zusätzlichen Ultraschallreinigung der Außenflächen profitieren – das ersetzt aber nicht die vorgeschriebene tägliche Desinfektion mit der vom Hersteller empfohlenen Kontaktlinsenlösung. Diese bleibt laut Augenärzt:innen zwingend erforderlich.
Quellen
- DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft): 'Gefahr der Augeninfektion – Kontaktlinsenbehälter sind Bakterienfallen' – Prof. Dr. Gerd Geerling, Universitätsklinikum Düsseldorf
- Apotheken Umschau: 'Kontaktlinsen: Darum ist Hygiene Pflicht' – Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA)
- mgo medizin: 'Warum die Hygiene bei Kontaktlinsen so wichtig ist' – DOG-Jahreskongress 2023
Autor: Moritz Weinert, Gründer NURO Labs · Zuletzt aktualisiert am 8. September 2026