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Hygiene & Bakterien

Wie viele Bakterien leben auf einer Brille?

Zwei Studien der Hochschule Furtwangen zeigen: Getragene Brillen sind dicht mit Bakterien besiedelt. Die umfassendere Untersuchung aus dem Jahr 2020 fand 5.232 verschiedene Bakterienarten aus 665 Gattungen auf nur 30 untersuchten Brillen. Mehr als 80 % der häufigsten Arten gelten als potenziell krankheitserregend. Feuchte Reinigung reduziert die Keimlast in einer früheren Untersuchung derselben Forschungsgruppe um bis zu 95 %.

Die Studienlage: zwei Untersuchungen, ein klares Bild

Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Markus Egert (Mikrobiologie und Hygiene, Hochschule Furtwangen, Campus Schwenningen) hat gleich zwei Studien zur bakteriellen Besiedlung von Brillen veröffentlicht.

Die erste Studie (2018, veröffentlicht in PLOS One) untersuchte 31 Brillen mittels klassischer Kultivierung auf Nährmedien – 21 Brillen von Hochschulangehörigen, 10 von Bewohner:innen eines Altenheims. Ergebnis: Alle untersuchten Brillen waren bakteriell besiedelt, mit einem Anteil potenziell pathogener Arten von rund 60 %.

Die zweite, molekularbiologische Studie (2020, veröffentlicht in Scientific Reports) ging tiefer: 30 im Hochschulumfeld getragene Brillen wurden an Gläsern, Ohrbügeln und Nasenpolstern per DNA-Analyse untersucht – eine Methode, die auch nicht kultivierbare Bakterienarten erfasst. Ergebnis: 5.232 verschiedene Bakterienarten aus 665 Gattungen wurden insgesamt nachgewiesen.

Wo genau sitzen die meisten Bakterien?

Interessanterweise fand die 2020er-Studie die höchste Artenvielfalt auf den Brillengläsern selbst – nicht, wie oft vermutet, an den Nasenpolstern (dort war die Artenvielfalt am geringsten, wenn auch mit hoher Keimdichte an Stellen mit direktem Hautkontakt). Auf den Gläsern fanden sich neben Haut- und Schleimhautbakterien (Cutibakterien, Corynebakterien, Staphylokokken) auch typische Umweltkeime wie Pseudomonaden, die über die Luft auf die Brille gelangen.

Wie gefährlich sind diese Bakterien wirklich?

Laut der 2020er-Studie sind mehr als 80 % der 13 am häufigsten identifizierten Arten potenziell pathogen – das heißt, sie können unter bestimmten Umständen Krankheiten auslösen, insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Für gesunde Träger:innen ist das Risiko im Alltag gering; relevanter wird es laut den Studienautoren im klinischen Umfeld, etwa bei Augenärzt:innen oder Optiker:innen, die häufig mit fremden Brillen in Kontakt kommen.

Ob ein direkter Zusammenhang zwischen der 'Brillenflora' und wiederkehrenden Augeninfektionen besteht, ist laut Hochschule Furtwangen noch Gegenstand weiterer Forschung.

Was hilft nachweislich?

In einer vorangegangenen Untersuchung derselben Forschungsgruppe konnte gezeigt werden, dass feuchte Reinigung die bakterielle Belastung auf Brillen um ca. 95 % reduziert. Prof. Egert erklärt dazu: Eine feuchte Reinigung mit alkoholischen oder tensidhaltigen Brillenreinigungstüchern – oder auch einfach mit Wasser und Spülmittel per Hand – ist nach aktuellem Wissensstand eine sinnvolle Strategie, auch zur Entfernung von Viren wie SARS-CoV-2.

Wichtig zur Einordnung: Diese Aussage bezieht sich auf das manuelle Abwischen der Brille mit einem angefeuchteten Tuch – nicht auf die Verwendung von Spülmittel in einem Ultraschallreiniger. Das ist ein technisch anderer Anwendungsfall (siehe Warum du niemals Spülmittel in einen Ultraschallreiniger geben solltest), bei dem Spülmittel aus anderen, nicht-hygienischen Gründen (Schaumbildung) ungeeignet ist.

Einordnung: Wo steht die Brille im Vergleich zu anderen Alltagsgegenständen?

Absolute Bakterienzahlen sind zwischen Studien mit unterschiedlicher Methodik (Kultivierung vs. molekularbiologische Analyse) nicht direkt vergleichbar. Die grundsätzliche Erkenntnis – regelmäßiger Gesichts- und Hautkontakt führt zu deutlicher bakterieller Besiedlung – deckt sich aber mit Untersuchungen zu anderen Alltagsgegenständen wie Smartphones oder Tastaturen (siehe Die schmutzigsten Gegenstände im Haushalt).

Häufige Fragen

Ist eine schmutzige Brille wirklich ungesund?+

Für die meisten gesunden Menschen ist das Risiko im Alltag gering. Relevanter wird die Keimbelastung bei geschwächtem Immunsystem oder im klinischen Umfeld, wo Brillen häufig zwischen verschiedenen Personen wechseln.

Wie oft sollte ich meine Brille reinigen?+

Die Furtwangen-Forschungsgruppe empfiehlt regelmäßige feuchte Reinigung – eine feste Zahl nennt die Studie nicht, aber angesichts des Kontakts mit Gesicht und Händen ist tägliche Reinigung eine sinnvolle Routine.

Reicht Wasser allein, oder brauche ich ein Reinigungsmittel?+

Laut Prof. Egert ist bereits feuchte Reinigung mit alkoholischen oder tensidhaltigen Tüchern oder Wasser und Spülmittel wirksam. Ultraschallreinigung mit klarem Wasser erzielt einen vergleichbaren mechanischen Reinigungseffekt durch Kavitation, ganz ohne Chemie.

Autor: Moritz Weinert, Gründer NURO Labs · Zuletzt aktualisiert am 3. September 2026